Wirtschaft & Finanzen 16. Juli 2023

Go woke, go broke - oder: ESG in der Praxis


Man kennt es: man freut sich auf die Fortsetzung/Neuauflage einer Fernsehserie oder eines Films aus der Kindheit und stellt nach dem Betrachten fest: die (männliche) Hauptfigur wird demontiert (wie im kürzlich erschienenen Mega-Flop „Indiana Jones and the dial of destiny“), durch eine Frau ersetzt („Ghostbusters“) oder gleich ganz ermordet (siehe der letzte [und dieses Wort ist im doppelten Wortsinn zu verstehen] „James Bond“).

Gleichzeitig werden generell in Werbung, Filmen und Serien alle Haupt- und Nebenrollen mit „BIPOC“ (d.h. farbigen Schauspielern) oder Angehörigen der LGTBQI+-Bewegung [ich weiss nicht, ob dies der letzte Stand der offiziellen Abkürzung ist, es mir aber auch zu anstrengend den letzten Schrei zu verfolgen] besetzt (das Live-Action-Remake Star Wars, Arielle, Rings of Power – you name it).

In der Werbung hat mittlerweile der, selbst bei Youtube verschämt gelöschte, Werbespot von Gilette über „Toxische Maskulinität“ Konkurrenz von einem noch größeren Marketing Desaster bekommen: die Bud-Light Werbung mit dem Trans-Influencer Dylan Mulvaney. Der -->48 Sekunden lange Spot wird in seinen ganzen destruktiven Auswirkungen vermutlich an wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten in den nächsten Dekaden hoch- und runtergelehrt werden:

Der Aktienkurs des produzierenden Unternehmens Anheuser-Busch ist daraufhin um 25%+ abgestürzt und sie verloren die Pole Position als meistverkaufteste Biermarke.

Adidas und Target haben nach Kundenprotesten ihre Regenbogenmodelle (unter anderem Bikinis für Männer, die im Schritt mehr Stoff brauchen, um die „Ladydicks“ [kein Scherz, so nennt man das Gegenstück zum „Bonus Hole“, vulva äh vulgo Vagina] zu verdecken, verschämt in die Hinterräume der Filialen geräumt. Alle oben genannten Unternehmungen waren ausnahmslos gigantische Flops, deren Verluste in die Hunderte Millionen oder gar Milliarden Dollar gehen.

Da es offenbar nicht mehr nur um Repräsentativität geht (sonst würden die Rollen sich ja auf einen Prozentsatz beschränken, der ihrem Vorkommen in der Realität entspricht [bei Trans-Personen entspricht das ca. 0.5%]), das Publikum sich ebenfalls schaudernd abwendet und über Jahrzehnte aufgebautes Kundenvertrauen und Franchises in den Shredder geworfen werden, stellt sich die Frage: Warum? Warum handelt man gegen Kundeninteressen, nimmt Mrd.-Verluste in Kauf und verstösst Kleininvestoren? Die Antwort ist kurz und hat genau drei Buchstaben: ESG.


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Aber was hat dieses Kürzel alles mit den obigen Multimilliarden Dollar Corporations zu tun? Das sind sie eben nicht, sie sind nicht Mrd. schwer, sondern sie haben bei Banken leichten Zugriff auf Kreditlinien. Ein Beispiel soll den Sachverhalt verdeutlichen:

Der geneigte Leser stelle sich vor, er ist Chief Financial Officer (CFO) der HPF Works Inc. und hat gegenwärtig 10 Mio Dollar auf der Bank. Aufgrund des neuen Produktes, das in vier Wochen herausgebracht wird, erwartet man 100 Mio weitere Dollar. In der Zwischenzeit müssen aber auch die Mieten, Gehälter und Marketing bezahlt werden. Zusätzlich zu den 60 Mio, die man für die Produktentwicklung geliehen und investiert hatte. Zusätzlich hat man vielleicht noch andere Verpflichtungen aus früheren Projekten und es werden in einer Woche sind 30 Mio Dollar fällig. Nach allen Abzügen und nur 10 Mio auf der Bank ist man eigentlich bankrott.

Aber: da in ein paar Wochen 100 Mio Dollar reinkommen, können Sie als CFO für HPF Works Inc. eine Kreditlinie für den nächsten Monat ziehen.

So war es zumindest mal. Während es früher im Wesentlichen um Bonität, Produktepalette und Kredithistorie ging, haben die Grossbanken und Funds, die die BigEntertainment, BigTech und BigGuns mit frischem Cash versorgen, nun eine weitere Metrik eingezogen, um Geld zu verleihen: das sog. ESG-linked Rating.


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Hierbei wird ein Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit, Diversität und „gute“ Unternehmensführung untersucht. Um möglichst schnell ein gutes ESG-Rating zu erlangen, gibt es eine Abkürzung: Es gibt nämlich von den NGOs, die diese „Gütesiegel“ vergeben, Listen gewisser anerkannte Influencer, deren Dienste schnell für einen guten Score im ESG-Rating sorgen. Der Support einer Greta Thunberg, Dylan Mulvaney oder ähnlichen Kunstfiguren wird einen hinsichtlich eines guten Rating-Scores weit bringen.

Warum machen Unternehmen dies? Warum lassen sich Unternehmen auf so etwas ein, was eigentlich zu Recht wie Erpressung wirkt? Warum fragt man nicht eben Finanzinstitute nach Geld, die kein ESG-Element in ihren Verträgen haben? Antwort: weil es -->davon immer weniger gibt.

Und hier kommen wir zu dem Ausgangspunkt zurück: einen Rückgang an Kunden können Unternehmen verschmerzen und ggfs. durch höhere Preise wieder auffangen. Was sie aber wirklich brauchen, und worauf sie auf keinen Fall verzichten können, sind Kreditlinien, die sog. Short Term Liquidity. Und das ist auch der Grund, warum von Amazon über J.P. Morgan bis hin zu Target alle Unternehmen von heute auf morgen angefangen haben, identische Nachrichten über Nachhaltigkeit, Diversität etc zu produzieren und sich dabei richtig ins Zeug legen, um ja nicht das heilige ESG-Rating zu gefährden.

Interessant wird es aber nun wie im Falle Bud Light, wenn über Nacht eben nicht nur ein paar Kunden wegfallen, sondern das gesamte Fundament wegbricht, die Konsumentenbasis mithin über Nacht erodiert. Denn dann ist es im Zweifelsfall egal, ob man noch Kreditlinien ziehen kann, weil das Business im Eimer ist.

Im Übrigen hat man sich bei Anheuser-Busch in einem Investoren-Call halbherzig aus der Affäre ziehen wollen und die Schuld dabei auf die Marketing-Chefin gelenkt und die Rolle des Trans-Influencers kleingeredet. Das Resultat: das ESG-Rating wurde gesenkt und die LGTBGQI+-Bewegung beteiligte sich auch an dem Boykott. Die PR-Marketing-Dame von Bud Light, Alyssa Heinerscheid, die die Kollaboration mit Mulvaney zu verantworten hatte, wurde rausgeworfen. Man muss sich nur das folgende Interview mit dieser „Business Woman“ ansehen, um zu verstehen, dass diese Leute weniger von einer Liebe zum Produkt, sondern von einer sog. „woken“ Agenda getrieben werden. Die leeren Augen zeigen, dass sie lediglich die Sprachblasen widergibt, die ihr an den einschlägigen Eliteuniversitäten -->eingebläut wurden.

Es wird interessant zu sehen, wie sich das ganze weiterhin entwickelt. Nachdem auch Indiana Jones die Erwartungen weit unterboten hat, hat Disney die Diversity-Beauftragte gefeuert – -->äh, ich meine, man hat sich einvernehmlich getrennt.

Die Lehre: Der Konsument hat wesentlich mehr Macht in seiner Geldbörse, als die Medienpropaganda suggertiert, die von „Rechten“, „Schwurblern“ und so weiter spricht, die diesen ganzen Tanz ums bunte Kalb nicht mitmachen wollen. Und ich hoffe, dass die Grossunternehmen mit diesem ganzen ESG-Unsinn so kräftig auf die Fresse fallen, bis es nur noch eine belustigende Fussnote der Wirtschaftsgeschichte ist.


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Kommentare

Rikimer schrieb am 27.08.2023

Ein sehr wichtiges Thema. Welches weit mehr Aufmerksamkeit braucht.


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